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Penisverkrümmung – so wird er wieder gerade

von menscore
Fachliche Beratung: Ärztliche Redaktion
© Klaus Eppele - Fotolia.com
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Induratio penis plastica (IPP) – das ist nicht etwa die Bezeichnung für ein neuartiges Sextoy, sondern der medizinische Begriff für die erworbene Penisverkrümmung. Die Erkrankung macht Schmerzen, und Sex manchmal unmöglich. Aber sie kann behandelt werden.

Sexkiller, krumm und schmerzhaft

Je nach Ausmaß der Verkrümmung des Penis ist der Geschlechtsverkehr erschwert, in schweren Fällen sogar unmöglich. Allerdings tritt die Erkrankung nicht über Nacht auf, sondern verläuft in zwei Phasen. „Anfangs, in der akuten Phase, treten typischerweise Schmerzen bei der Erektion auf, und es bildet sich eine Verkrümmung bei Erektion. Die zweite, stabile Phase ist schmerzfrei und der Deformationsprozess kommt zum Stillstand“, so Prof. Dr. Michael Sohn, Urologe und Androloge und Chefarzt der Urologischen Klinik des Agaplesion Markus Krankenhauses in Frankfurt am Main. 90 Prozent der betroffenen Männer seien nach etwa einem Jahr in der stabilen Phase. Das tückische der Erkrankung sei jedoch ihr häufig schubweiser Verlauf, der auch nach Jahren der Stabilität erneut einsetzen könne. Eine spontane Rückbildung der Erkrankung sei dagegen eher selten. Der Leidensdruck ist enorm: Bei 48 Prozent der Männer mit IPP wurden Depressionen festgestellt.

Häufigkeit und Ursachen

Über die Häufigkeit der IPP gibt es keine exakten Angaben. Je nach Studie variieren die Zahlen von etwa drei bis zu neun Prozent. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen, denn manch einer wird damit nicht gern zum Arzt gehen, und wieder andere werden sich mit ihr arrangiert haben, da sie sich dadurch sexuell nicht beeinträchtigt fühlen. Als relativ sicher gilt, dass die Erkrankung eher selten vor dem 35. Lebensjahr auftritt.

Den Verlauf der Erkrankung kennen Mediziner mittlerweile recht gut. Die Ursachen der IPP dagegen sind noch weitgehend unbekannt, dokumentierte die Europäische Urologen-Vereinigung (EAU) in ihren jüngsten IPP-Leitlinien voriges Jahr. Nach Prof. Sohn, ausgewiesener IPP-Experte, ist der Ausgangspunkt der Erkrankung eine Entzündungsreaktion, die grob vergleichbar sei mit Entzündungen bei rheumatischen Erkrankungen. Diese Entzündungsreaktion hinterlasse Narben im extrem dehnbaren Bindegewebe der Schwellkörperhülle des Penis, die ihrerseits zu Verkrümmungen führten, da Narbengewebe weit weniger elastisch ist.

Eine andere Erklärung von Experten für die IPP ist, dass eine traumatische Bindegewebsstörung die Verkrümmung verursacht. Danach führen Mikroverletzungen im Gewebe der Schwellkörperhülle zu einer Umwandlung des elastischen Bindegewebes in sprödes Bindegewebe mit tastbaren Knoten, die im Verlauf der Erkrankung schrumpfen und deshalb eine Verkürzung und Verkrümmung des Penis bewirken. Es werden auch zusätzliche genetische und immunologische Auslöser diskutiert. Inwieweit Diabetes mellitus oder Bluthochdruck eine Rolle bei der Entstehung von IPP spielen, ist weiterhin unklar.

Anzeichen und Diagnose

Männer bemerken die Erkrankung oft durch das Ertasten von knotigen Verhärtungen im Penis, sogenannten Plaques. Schon zu diesem Zeitpunkt sollte der Urologe aufgesucht werden, um andere Erkrankungen ausschließen und alle Therapieoptionen ausschöpfen zu können. „Der erste Urologen-Kontakt erfolgt aber meistens, wenn es zu Schmerzen bei Erektion und Geschlechtsverkehr kommt oder eine Verkrümmung des Penis bereits eingetreten ist, also in der akuten Phase. Unsere Diagnostik erfolgt dann per Tastbefund und Anamnese; Biopsien und Labortests sind nicht erforderlich. Sehr hilfreich ist es, wenn der Patient zur ersten Konsultation aussagekräftige Fotos seines erigierten Penis aus allen Blickwinkeln mitbringt“, sagt Prof. Sohn. Wichtig für die spätere Behandlung sei es auch, die Entwicklung der Potenz abzuklären, da in schweren Fällen durch eine Verschlechterung der Durchblutung der Schwellkörper die Erektionsfähigkeit beeinträchtigt werden könne. Die Abklärung erfolgt in der Regel mit modernen Ultraschalluntersuchungen.

Begradigungsmaßnahmen

Behandlungsmöglichkeiten sind vorhanden. „Sie können die Krankheit zwar noch nicht komplett beseitigen, aber individualisiert dazu beitragen, die Funktion des Penis wieder zu verbessern. Insbesondere zum Ursprung der Erkrankung besteht noch viel Forschungsbedarf“, so der IPP-Spezialist Sohn, der in den Gremien der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) sowie des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V. (BDU) aktiv ist. Der Chefarzt weiter: „In der akuten Phase der IPP wird medikamentös therapiert. Operative Eingriffe sind erst nach drei, besser sechs Monaten in der stabilen Phase angezeigt.“
Auch mit Injektionen – etwa von Verapamil, Kollagenase oder Interferon – direkt in die Plaques wird versucht, deren Größe und dadurch auch die Stärke der Penisverkrümmung zu reduzieren. Strahlentherapie wird von der EAU nicht mehr empfohlen.

Bei funktioneller Beeinträchtigung durch eine Penisverbiegung sind operative Maßnahmen im stabilen Stadium laut Sohn erste Wahl. Es gibt verschiedene Techniken:

  • So kann bei Verkrümmungen von 30 bis zu 60 Grad durch Raffung der Schwellkörperhülle auf der gesunden, dem Plaque entgegengesetzten Seite eine Begradigung erreicht werden. Der Plaque selbst bleibt unberührt. Der Nachteil dieser Korrektur-Methode ist eine Verkürzung des Penis um wenige Millimeter bis zu zwei Zentimeter. Einfache Nachsorge und keine Verschlechterung der Potenz sind die Vorteile.
  • Bei Patienten mit einer Penisverkrümmung von mehr als 60 Grad kommt diese Technik seltener zum Einsatz. Prof. Michael Sohn: „Die Penisverkürzung wäre zu groß und läge über den zwei Zentimetern, die wir grundsätzlich bei solchen Operationen nicht überschreiten wollen. In diesen Fällen ist es besser, den Plaque zu entfernen oder einzuschneiden, den Penis zu strecken und den so entstandenen Defekt dann mit körpereigenem Gewebe oder künstlichem Material abzudecken.“ Ein Risiko dieser sogenannten Grafting-Technik bestehe jedoch in einer Verschlechterung der Erektionsfähigkeit, die sich bei etwa 30 Prozent der Operierten einstelle. Für Patienten mit einer Penisverkrümmung von mehr als 60 Grad und zusätzlich erektiler Dysfunktion wird die Implantation einer hydraulischen Penisprothese empfohlen.  
  •  Ein Knick im Penisschaft um bis zu 30 Grad dagegen stellt nach Expertenmeinung jedoch meistens noch keine behandlungsbedürftige Beeinträchtigung dar.  

Die Zukunft lässt hoffen

Neue Wege zur Penisbegradigung werden seit einiger Zeit in Italien und Spanien erforscht: „Penile Stretcher“ heißen die Hoffnungsträger, die ursprünglich zur Penisverlängerung entwickelt wurden und nun bei IPP-Patienten das Narbengewebe im Penis dehnen und so die Verkrümmung reduzieren sollen. „Erste Pilotstudien zeigen positive Effekte solcher Traktionssysteme, reichen für eine Empfehlung zur Primärbehandlung aber noch nicht aus“, so Experte Sohn. 

Quelle: DGU

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