Aktuell VerhütenGeschlechtskrankheiten HPV – Virus-Infektion trifft auch Männer

HPV – Virus-Infektion trifft auch Männer

von menscore
Fachliche Beratung: Ärztliche Redaktion
© popyconcept - Fotolia.com
© popyconcept - Fotolia.com

Krebs durch den Erreger des Gebärmutterhalskrebs bei Männern? Kann gar nicht sein? Doch, der Krebs kann nämlich auch an anderer Stelle ausbrechen, etwa im Mund- und Rachenraum. Aber Sie können sich schützen.

Humane Papillomaviren (HPV) sind Viren, die sich besonders gern auf Schleimhäuten aufhalten und Warzen oder Tumore auslösen können. Bekannt geworden ist HPV besonders als Auslöser für Gebärmutterhalskrebs. Entdeckt hat es Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, der dafür den Medizin-Nobelpreis erhielt.

Und nicht erst seit Michael Douglas‘ denkwürdigem Interview über seinen Kehlkopfkrebs ist bekannt, dass HPV auch bei Männern zu ernsten Problemen führen kann. Wie ernst diese Probleme sind, hängt davon ab, welcher HPV-Typ am Werk war, da es viele Untergruppen dieses Virus gibt. Besonders wichtig sind die Gruppen der Hochrisiko-HPV, die bösartigen Krebs auslösen können, und die der Niedrigrisiko-HPV, von denen einige immerhin Warzen im Genitalbereich, so genannte Feigwarzen, hervorrufen.

Ansteckungswege

Die schönste Nebensache der Welt ist leider auch oft riskant: Ungeschützter Sex kann eine Ansteckung mit sowohl Niedrig- als auch Hochrisiko-HPV zur Folge haben und zwar unabhängig davon, welche Körperöffnung in das Liebesspiel einbezogen wird. Es kommt allein darauf an, bei wem HPV an welcher Stelle sitzen. Wenn sie unter der Vorhaut und in der Eichelfurche sitzen, ist es der Penis selbst, lauern sie in der Harnröhre, ist das Sperma ansteckend. Bei der Frau sind es entsprechend die Vulva und das Scheidensekret. Das heißt: egal ob Mann oder Frau, so lange einer der Partner infiziert ist, kann er den anderen anstecken.

Wenn das HPV in einer festen Partnerschaft auftritt, dann haben es meist schon beide Partner. Ein Arztbesuch für eine Behandlung ist unbedingt zu empfehlen. Und damit man sich nicht gegenseitig im Ping-Pong-Verfahren immer wieder ansteckt, sollte man, bis beide Partner etwaige Feigwarzen losgeworden sind, ein Kondom benutzen.

Niedrigrisiko-HPV

Die harmloseren, weil nicht lebensgefährlichen, Papillom-Viren werden Niedrigrisiko-HPV genannt und sind für Feigwarzen verantwortlich. Entstehen können sie an den Genitalien, in der Harnröhre und am Anus. Im Mund können sie auch entstehen, das passiert allerdings sehr selten. Zum Arzt sollte man dennoch möglichst rasch, und nicht nur, um die unschönen Feigwarzen entfernen zu lassen. Sondern auch deshalb, weil die Infektion mit dem harmlosen Niedrigrisiko-HPV in manchen Fällen mit einer Infektion eines krebsverursachenden HPV einhergeht

In Deutschland erkranken jedes Jahr 170 von 100.000 Personen an Feigwarzen. Ohne Behandlung braucht der Körper viele Monate, um die Viren wieder loszuwerden.

Therapie von Feigwarzen

Die Behandlung richtet sich nach der Art und den Auswirkungen des Virus. Für die Therapie von durch Niedrigrisiko-HP-Viren verursachten Feigwarzen gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Cremes
  • Zäpfchen
  • Vereisung
  • Lasern
  • Chirurgische Entfernung größerer Feigwarzen
  • Bestrahlung

Welche Methode der Arzt wählt, hängt auch von der Größe der Feigwarzen ab. Da die Viren selber nicht entfernt werden können, kommt es bei einigen Patienten zu erneuter Warzenbildung. Das ist aber kein Grund auf die Behandlung zu verzichten, denn der Körper bekämpft die Viren auch selbst und das ist leichter, wenn er nicht noch mit Gewebeschäden beschäftigt ist.

Wenn aber die aggressiveren Hochrisiko-Viren zugeschlagen haben und Krebszellen entdeckt werden, wird sofort behandelt. Je nachdem, wie weit die Krebsentstehung fortgeschritten und wo der Tumor lokalisiert ist, kommen folgende Maßnahmen – teilweise auch kombiniert – zum Einsatz: Operative Entfernung des Tumors, chemo- und/oder -strahlentherapeutische Bekämpfung der entarteten Zellen.

Hochrisiko-HPV und Krebs

HPV 16 und 18 sind die krebsauslösenden Übeltäter, die sich in Schleimhautzellen in der weiblichen Scheide festsetzen. Dort kommen nun die Männer ins Spiel: Erstens können sie bei wechselnden Partnerinnen die Viren übertragen. Und zweitens können sie selbst Peniskrebs und Krebs an Mund- Rachen- und Kehlkopf entwickeln, denn auch in den Schleimhäuten hier setzt sich das Virus fest. Ein Teil der Mund-Rachen-Karzinom e sind durch HPV verursacht, ein größerer Teil durch Rauchen, insbesondere in Kombination mit Alkohol. Die Häufigkeit von HPV-verursachten Mund-Rachen-Karzinomen scheint in westlichen Ländern in den letzten Jahrzehnten anzusteigen.

Denn Mund- und Rachenbereich sind durch ungeschützte Oraltechniken besonders gefährdet. Da eine Infizierung mit HPV nicht sichtbar ist, ist das Risiko, sich das Virus einzuhandeln, bei wechselnden Partnerinnen besonders hoch. Hier empfiehlt es sich, die Partnerin nur geschützt oral zu verwöhnen, auch wenn es bei einer Infektion mit Hochrisiko-HPV meist viele Jahre dauert, bis ein Krebsgeschwür entsteht.

Übrigens: Laut Studien waren 60 bis 80 Prozent aller sexuell aktiven Menschen in Deutschland schon einmal mit dem HP-Virus infiziert. Diese Zahl gilt allerdings für alle HP-Viren, auch die harmloseren. Grund zur Panik besteht nicht, zur Vorsicht aber allemal.

Impfschutz auch für Männer

Eine Impfung gegen die Hochrisiko-HPV (HPV 16 und 18) ist seit kurzem auch für Jungen und Männer zugelassen und wird von Experten empfohlen. Professor Harald zur Hausen, Nobelpreisträger für Medizin und Krebsforscher vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg: „Wenn wir wirklich die Viren in einem absehbaren Zeitraum drastisch reduzieren oder ausrotten wollen, können wir das nur, wenn beide Geschlechter geimpft werden“.

Noch müssen viele Männer, die sich schützen möchten, allerdings tief in die Tasche greifen: die Impfung kostet ca. 500 Euro.

Hier eine Auflistung von Krankenversicherungen, die die Kosten für die HPV-Impfung übernehmen, darunter auch einige, die für ihre erwachsenen männlichen Versicherten die Kosten übernehmen.

Wer seine Krankenversicherung nicht in der Liste findet, sollte dort trotzdem mit Nachdruck fragen – vielleicht hat sich die eine oder andere Versicherung ja mittlerweile zur Kostenübernahme auch für erwachsene Männer entschieden.

HPV-Tests für Männer in Arbeit

Das Deutsche Krebszentrum arbeitet daran, Antikörper gegen HPV-Bestandteile im Blut festzustellen, um Jahre vor der Krebserkrankung im Mund-Rachen-Raum Krebsvorstufen dingfest machen zu können.

Dr. Michael Pawlita, HPV-Forscher am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, leitet die Forschungen zum Nachweis von Antikörpern gegen Humane Papillomviren. „Unser Labor hat einen speziellen Test entwickelt und ist eine von weltweit ganz wenigen Einrichtungen, die dieses Nachweisverfahren durchführen können“, sagt Pawlita. Mit dem von ihm entwickelten Test ließ sich prüfen, ob sich die Antikörper gegen HPV 16 als Biomarker zur Früherkennung von HPV-verursachtem Krebs des Mund-Rachen-Raums eignen. Sein Studienpartner Paul Brennan, Leiter der Sektion für Genetische Epidemiologie der IARC, einer Institution der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Mit-Autor der Studie, ist begeistert: „Unsere Ergebnisse sind in dieser Hinsicht sehr vielversprechend. Lange wussten wir nicht, ob Antikörper gegen HPV 16 zu einem Zeitpunkt im Blut vorkommen, zu dem noch gar keine klinischen Anzeichen der Krebserkrankung erkennbar sind. Nun haben wir nachgewiesen, dass bereits 12 Jahre vor Ausbruch von Tumoren im Mund-Rachen-Raum Antikörper im Serum auftreten.“ Dieses Verfahren ist die bisher präziseste Möglichkeit der Früherkennung von HPV-verursachtem Krebs im Mund-Rachen-Raum. 

Vorbeugung – So geht‘s

Wer nicht warten will, ob irgendwann der HPV bei ihm selbst entdeckt wird, kann vorbeugen:

  • Gründliche Reinigung und Hygiene machen nicht nur attraktiv, sondern verringern auch das Infektionsrisiko für den Partner und das eigene Erkrankungsrisiko.
  • Kondome beim Liebesspiel immer dann, wenn Körperöffnungen einbezogen werden. Für den Cunnilingus gibt es sogar einen speziell hierfür entwickelten Schutz: das Dental Dam oder auch „Lecktuch“ genannt.
  • Hautveränderungen und Warzen der Partnerin nicht berühren. Falls im Eifer des Gefechts doch eine Berührung stattgefunden hat: Waschen, aber bitte mit Seife.

Verwandte Beiträge

                   

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.
Akzeptieren Weitere Informationen