Aktuell ProstataProstatavergrößerung Welche OP-Methode bei BPH?

Welche OP-Methode bei BPH?

von menscore
Fachliche Beratung: Dr. med. Tobias Pottek
© lightslave - Fotolia.com
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Die Beschwerden einer vergrößerten Prostata mit Medikamenten oder einer großen Operation zu behandeln, kommt nicht für jeden in Frage. Für diese gibt es Alternativen – doch welche von ihnen sind besonders effektiv und schonend? Unsere Bewertung. 

Die gutartige Vergrößerung der Prostata wirkt nach und nach wie ein Staudamm, da das überschüssige Gewebe die Harnröhre immer stärker einengt und den Harnfluss behindert. Die Folge: Häufiger Harndrang und tropfenweise Blasenentleerung statt sattem Harnstrahl.

Wer jetzt nicht handelt, riskiert eine Überlaufblase, Wasserlassen geht gar nicht mehr (so genannter akuter Harnverhalt), der Harn staut sich hoch bis in die Nieren und kann sie in ihrer Funktion behindern, eine lebensbedrohliche Situation. Behandlungsmethoden, mit denen eine mäßig vergrößerte Prostata verkleinert und damit ihre strangulierende Wirkung auf die Harnröhre behoben werden können, gibt es viele. Bei stärkeren Behinderungen der Blasenentleerung bleibt allerdings oftmals nur eine Operation. Dabei erhalten die minimal invasiven Methoden bei Patienten und Ärzten den Vorzug vor Eingriffen, die größere Schnitte erfordern und damit größere Wunden und mehr Komplikationen bedeuten.

Hier eine Auswahl der effektivsten und schonendsten Verfahren, außerdem solchen, die nur noch selten, und anderen, die gar nicht mehr durchgeführt werden (sollten).

TUR-P (Transurethrale Prostataresektion)

Von den „weniger blutigen“ Operationsverfahren gilt die Prostataentfernung durch die Harnröhre (Transurethrale Prostataresektion, TUR-P) wegen ihrer Erfolge noch als erste Wahl. Bei der TUR-P Operationstechnik wird eine Drahtschlinge in einem Endoskop über die Harnröhre in die Prostata eingeführt und dort das wuchernde überschüssige Gewebe abgetragen. Mit dem elektrischen Teil des Instruments werden gleichzeitig die Blutungen durch Verkochung gestillt. Mittels einer Kamera kontrolliert der Arzt auf einem Monitor den Eingriff. Ein äußerlicher Schnitt ist bei dieser Methode nicht notwendig, die Narkose kann über den Wirbelkanal erfolgen, die meisten Patienten wünschen allerdings Vollnarkosen, die mit den heutigen Medikamenten völlig nebenwirkungsarm verlaufen.

Diese Methode gilt als „Gold-Standard“ bei der Therapie gutartiger Prostatavergrößerungen. Sie erzielt genauso gute Erfolge (z.B. verbesserter Urinfluss) wie die offene Prostata-OP, hat aber weniger Nebenwirkungen, z.B. schon deshalb, weil der Bauchschnitt entfällt.

Die TUR-P dauert je nach Größe der Prostata 40 bis 60 Minuten, der Patient kann die Klinik etwa drei Tage nach dem Eingriff verlassen.

Bewertung: als Gold-Standard das Maß aller Verfahren.

Greenlight-Laser

Andere Methoden – wie beispielsweise die verschiedenen Lasertechniken und hier besonders die Laserkoagulation mit „Greenlight“, sind der TUR-P teilweise gleichwertig und zeigen ebenfalls nur sehr geringe Nebenwirkungen. „Deswegen sollte stets im Gespräch mit dem Patienten die für ihn individuell richtige Therapiemethode ermittelt werden“, sagt Dr. Tobias Pottek, Chefarzt der Urologie am Asklepios Westklinikum in Hamburg-Rissen.

Beim Greenlight-Laser wird unter Narkose ein Zystoskop mit einer Laserfaser durch die Harnröhre bis zur Prostata vorgeschoben. Der Laserstrahl mit einer Wellenlänge von 532 Nanometern (nm), der durch dieses System geleitet wird, verdampft überschüssiges Gewebe. Dadurch wird der Durchmesser der Harnröhre vergrößert, und der Harn kann wieder im kräftigen Strahl fließen – und das schon direkt nach der OP.

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern arbeitet dieser Laser praktisch unblutig. Wegen seiner sehr geringen Eindringtiefe kann er Gewebe sehr präzise (0,8 Millimeter) abtragen. Der Eingriff dauert etwa 30 bis 60 Minuten – je nach Größe der Prostata. Vorteilhaft ist diese Behandlungsform besonders bei den zahlreichen Patienten, die Gerinnungshemmer wie ASS, Clopidogrel, Ticagrelor, etc einnehmen müssen.

Mit diesem Verfahren sind die typischen Nebenwirkungen bei Prostataeingriffen wie Blutungen, Impotenz und Inkontinenz nur noch ganz selten. Zu Erektionsstörungen kommt es bei weniger als einem Prozent der Patienten, und auch die retrograde Ejakulation (der „Schuss nach hinten“, bei dem das Sperma in die Harnblase befördert wird) tritt nur selten auf, sofern eine entsprechende Operationstechnik gewählt wird.

Bewertung: der TURP ebenbürtig – bei Gerinnungshemmern besser.

Stent

In örtlicher Betäubung wird ein wenige Zentimeter langes röhrenförmiges Drahtgeflecht in die enge Stelle der Harnröhre eingebracht und aufgedehnt. Im Optimalfall wird das Implantat schon nach drei Monaten von Schleimhaut durch die Maschen des Drahtgeflechts hindurch überdeckt. Der Engpass der Harnröhre wird behoben, der Harn kann ungehindert abfließen.

Der Eingriff dauert etwa eine halbe Stunde und kommt für Patienten in Frage, bei denen es für eine Behandlung mit Medikamenten zu spät ist, die aber auch nicht operiert werden wollen oder können.

Die Methode ist nicht unproblematisch: Zum einen kann sie eine bakterielle Infektion begünstigen. Zum anderen besteht die Gefahr, dass weitere Operationen erforderlich werden könnten. Denn sitzt der Stent nicht richtig, oder verrutscht er, kann er seine Funktion nicht erfüllen. Da es nicht möglich ist, den Sitz des Stents zu korrigieren, müsste er in einer weiteren Operation wieder entfernt werden. Und: Im Gegensatz zu Stents im Blutkreislauf kommt es im Harntrakt häufig zur Bildung von Kristallen, die zu kompletten Verschlüssen führen können. Dann muss der Stent ebenfalls ausgetauscht werden.

Bewertung: Wegen des Risikos von Folgeoperationen nur in Sonderfällen empfohlen.

Transurethrale Mikrowellen-Thermotherapie (TUMT)

Es wird ein Applikator in die Harnröhre eingeführt und über diesen die Prostata mit Mikrowellen bestrahlt.

Wird bei dieser Methode mit Temperaturen von bis zu 55 Grad Celsius gearbeitet, kann der Harnabfluss nur geringfügig verbessert werden, da diese Temperaturen nicht genügen, um die überschüssigen Zellen der Prostata zu zerstören. Bei der so genannten Hoch-Energie-TUMT, bei der mit über 55 Grad Celsius gearbeitet wird, sind die Effekte etwas stärker.

Bewertung: überholtes Verfahren

TUNA (Transurethrale Nadelablation)

Unter örtlicher Betäubung werden zwei dünne Nadeln über die Harnröhre parallel in das Prostatagewebe eingeführt. Darüber wird nun an das umliegende Gewebe Hitze abgegeben, die Temperatur liegt zwischen 95 und 100 Grad Celsius.

Durch die Hitze schrumpft das krankhaft vergrößerte Gewebe und wird anschließend abgetragen. Außerdem wird durch den Eingriff die Nervenleitung des Blasenhalses gestört, so dass dieser weit gestellt wird. Der Eingriff wird am Computer überwacht.

Der Eingriff dauert eine knappe dreiviertel Stunde und kann ambulant durchgeführt werden. Ist für Patienten mit typischen BPS-Beschwerden, aber nur kleinen Drüsen mit geringgradig mechanischen Harnabflussstörungen geeignet. Da die TUNA ambulant und ohne Vollnarkose möglich ist, sind die Nebenwirkungen gering. Impotenz, Inkontinenz und der trockene Samenerguss kommen selten vor. Blutverluste gibt es praktisch nicht.

Problematisch ist, dass bei der TUNA kein Gewebe aus der Prostata entnommen wird, das auf Krebszellen untersucht werden könnte. Daher kann ein eventueller Prostatakrebs übersehen werden. Und: es muss fast jeder vierte Patient nachbehandelt werden, was der Hauptgrund dafür sein dürfte, dass dieses Verfahren sich nicht durchsetzen konnte.

Bewertung: wird kaum mehr durchgeführt – zu Recht.

Alkohol-Injektion

In einer ambulanten Sitzung wird in örtlicher Betäubung hochprozentiger Alkohol in die vergrößerten Prostata-Anteile gespritzt. Unter dem Einfluss des Alkohols nehmen die unerwünschten Zellen mehr Flüssigkeit auf, als ihnen gut tut: sie gehen ein. Die Folge: die Prostata schrumpft.

Der Patient kann gleich danach die Klinik verlassen, der Blasenkatheter wird zwei Tage später entfernt. Die Methode wurde in New Jersey Newark entwickelt. Bisher gibt es Daten nur zu ganz wenigen, d.h. einzelnen behandelten Fällen, Langzeitergebnisse gibt es keine.

Nebenwirkungen: Wird das anvisierte Ziel verfehlt und der Alkohol in gesundes Gewebe injiziert, stirbt auch dieses ab.

Bewertung: wird in Deutschland nicht mehr durchgeführt – ebenfalls zu Recht.

Ballondilatation

Ein biegsamer Schlauch mit einem kleinen aufblasbaren Ballon an der Spitze, ein so genannter Ballonkatheter, wird unter örtlicher Betäubung in die Harnröhre eingeführt und mit leichtem Druck aufgeblasen, wodurch die Engstelle aufgedehnt wird.

Allerdings ist der Erfolg ist nicht von Dauer, denn schon nach wenigen Monaten stellen sich die Probleme meist wieder ein.

Außerdem gibt es Nebenwirkungen: Durch die Dehnung kommt es zu vielen kleinen Zerreißungen des Gewebes, die dann Narbig verheilen und damit die Harnröhre noch mehr verengen. Wird deshalb nicht mehr empfohlen.

Bewertung: nicht empfohlen

Experten-Fazit

So lautet die Gesamtbewertung dieser Verfahren durch den Hamburger Urologen Dr. Tobias Pottek: „Kurzum, die transurethrale Resektion der Prostata – TUR-P genannt – und verschiedene Laserverfahren sind in den vergangenen zehn Jahren soweit etabliert und perfektioniert worden, dass es kaum einen Patienten gibt, der damit nicht behandelbar wäre. Dazu kommt, dass die Narkoseverfahren wesentlich schonender geworden sind als noch vor zehn Jahren. Die Indikation zu den anderen so genannten ambulanten oder minimalinvasiven Verfahren ist extrem selten.“

So können Sie jede Therapie unterstützen:

  • Körperliche Bewegung regt Kreislauf und Durchblutung an und entspannt die Muskulatur der Prostata.
  • Meiden Sie Kälte und Feuchtigkeit.
  • Verzichten Sie auf starke alkoholische und sehr kalte Getränke. Diese kön­nen die Prostata verkrampfen. Auch starker Kaffee und scharfe Gewürze wir­ken sich ungünstig auf die Prostata aus.
  • Gönnen Sie sich und Ihrer Prostata zur Entspannung Sitzbäder mit Kamille.
  • Schlamm- und Moorbäder wirken einer Entzündung entgegen.
  • Ernähren Sie sich ballaststoffreich, denn auch eine Verstopfung belastet die Prostata.

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