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Geschlechtskrankheiten
Geändert am: 07. Oktober 2014

Macht Oralsex Mundkrebs?

Written by  menscore, Published in Geschlechtskrankheiten
Fachliche Beratung: Ärztliche Redaktion
 
Frau im Bett genießt Oralverkehr © Sandor Kacso - Fotolia.com

Krebs durch Oralverkehr – ist das möglich? Die schlechte Nachricht: ja. Die gute Nachricht: man kann viel tun um sich selbst zu schützen, und es gibt sogar eine Impfung gegen den Erreger… Aber lesen Sie doch selbst.

Michael Douglas hatte Kehlkopfkrebs, eine Erkrankung, deren Existenz bis vor kurzem nur wenigen Laien bekannt gewesen sein dürfte. Seit dem denkwürdigen Interview aber, in dem der Hollywood-Star als Ursache seines Kehlkopfkrebses Oralsex angab, hat sich das grundlegend geändert. Das ist gut, weil es auf ein reales Risiko aufmerksam macht, aber es rechtfertigt keine Hysterie, und auf keinen Fall sollte es dazu führen, dass man seine Partnerin nicht mehr oral verwöhnt. Denn man kann eine Menge tun, um sich zu schützen.

Krebs im Mund- Rachenraum wird in den meisten Fällen von Tabak und Alkohol verursacht. Diese Tumorart ist zwar relativ selten, aber sie ist bösartig, und die Zahl derer, die einen solchen Krebs entwickeln, steigt. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erkrankten im Jahr 2010 (Deutschland ohne Baden-Württemberg) 16.820 Menschen an Kopf-Hals-Tumoren. Davon sind schätzungsweise zehn Prozent Oropharynx/Mund-Rachen-Karzinome, also etwa 1.682 Fälle.

Warum nimmt die Zahl der Neuerkrankungen eigentlich zu, wo doch einer der wichtigen Auslöser, der Tabakkonsum, rückläufig ist? Die Antwort lautet tatsächlich Oralsex. Auch für die Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg sind geänderte Sexualpraktiken, insbesondere der gestiegene Beliebtheitsgrad von Oraltechniken der mögliche Grund für das häufigere Auftreten des aggressiven Tumors. Und das Bindeglied zwischen Oralverkehr und dieser Krebsart heißt Humanes Papillomavirus (HPV).

Nach Schätzungen des DKFZ sind etwa 40 Prozent der Fälle von Krebs im Mund-Rachenraum nach 2005 auf eine Infektion mit dem HP-Virus zurückzuführen, also etwa 670 neue HPV-verursachte Fälle bundesweit pro Jahr. Das sind etwa acht Neuerkrankungen pro Jahr und pro 1 Million Einwohner, Tendenz steigend.

Humane Papillomaviren sind keine Unbekannten in Sachen Krebsverursachung. Ihre Hochrisiko-Varianten, bekannt als HPV 16 und 18, sind schon länger für das Verursachen von Gebärmutterhalskrebs sowie Anal- und Peniskrebs berüchtigt. Das liegt unter anderem daran, dass sich HP-Viren in den Basalzellen von Schleimhaut besonders wohl fühlen und sich in ihnen stark vermehren können. Und da insbesondere die Schleimhäute der Körperöffnungen in sexuelle Aktivitäten einbezogen werden, sind auch genau diese durch eine Infektion mit HPV gefährdet. Für Mund-Rachentumore und Kehlkopfkrebs bei Männern stellen die Genitalschleimhäute der Partnerin die potenzielle Gefahrenquelle dar.

 

Fortschritte aus der Forschung

Gegen die Gefahr „aus den Feuchtgebieten“ arbeiten auch Heerscharen von Wissenschaftlern, sei es in den Forschungsabteilungen von Pharmafirmen, sei es in denen staatlicher Einrichtungen.

So wurde vor kurzem ein Impfstoff zugelassen, der vor einer Infektion schützen bzw. den Folgen einer Infektion vorbeugen und die Verbreitung von HP-Viren eindämmen soll. Zwar wird diese Impfung stärker für Mädchen als für Jungen, und möglichst vor dem ersten Sexualkontakt empfohlen und beworben. Allerdings profitieren auch alle anderen Personenkreise, etwa erwachsene Männer, von dieser Immunisierung. Eine Impfung ist übrigens umso wichtiger, als die körpereigenen Abwehrkräfte (Antikörper), die nach einer Infektion aktiviert werden, selbst bei Gesunden zu schwach ausgeprägt sind, um die Entstehung von Genitalwarzen oder Krebs zu einem späteren Zeitpunkt zu verhindern.

So haben auch Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg einen Test entwickelt, der Antikörper auf Bestandteile des Erregers (als Hinweis auf eine vorangegangene Infektion der Mundschleimhaut) schon bis zu 12 Jahre vor Ausbruch eines Oropharynxkarzinoms entdecken kann. Um die Erreger nachzuweisen, werden die Antikörper gemessen, die Immunreaktion des Körpers auf Bestandteile des als feindlich eingestuften Virus.

Bei anderen HPV-verursachtem Krebs, etwa Anal- und Peniskrebs, funktioniert der Test nicht. „Wir vermuten die Ursache in der Besonderheit, dass der Mund- Rachenraum mit viel lymphatischem- also Immungewebe ausgestattet ist, wie den Rachenmandeln, den Zungengrund- und den Gaumenmandeln, und die Tumore in der direkten Nachbarschaft dazu entstehen. Es sieht aus, als würde dieses Gewebe besonders früh auf das HP-Virus mit Antikörperbildung reagieren“, so Dr. Michael Pawlita, HPV-Forscher am DKFZ. Der Test befindet sich übrigens noch im Experimentalstadium, wird also noch nicht in der Diagnostik eingesetzt.

Es gibt aber trotzdem genügend und gute Möglichkeiten, sich vor einer Infektion und ihren bösen Folgen zu schützen, gemäß dem Spruch: „Lieber ein Gramm Vorbeugung als ein Kilo Therapie“.


So beugen Sie vor

  • Setzen Sie Ihre Mundschleimhaut sowie die Schleimhäute im Analbereich und im Bereich unter der Vorhaut einschließlich der Eicheloberfläche nicht schutzlos den Schleimhäuten von häufig wechselnden Sexualpartnerinnen aus. Denn mehr Sexualpartner bedeuten mehr Ansteckungsmöglichkeiten.
  • Kondome auch beim oralen Liebesspiel? Für die Sicherheit der Partnerin ist ein Kondom über den Penis die beste Lösung. Soll die Partnerin oral verwöhnt werden, gibt es eine speziellere Möglichkeit: das Dental Dam, auch Lecktuch genannt, ist eine quadratische Latexfolie, die über die Vulva bzw. den genitalen Bereich ausgebreitet wird, der mit Mund und Zunge verwöhnt werden soll. Auch ein zurechtgeschnittenes Kondom kann den Zweck erfüllen. Von der Benutzung von Haushaltsfolie raten Experten allerdings ab, da deren Sicherheit nicht nachgewiesen ist. Mehr Informationen gibt es hier.
  • Hygiene ist ein Muss bei der Vorbeugung, sowohl oben- als auch unten herum: Durch tägliches Waschen und gründliches Reinigen des Penis und des Analbereichs schützt man die Partnerin, heißt: käsiges Smegma ist ein absolutes No-go. Noch besser ist es, die Intimregion auch direkt vor dem Sex noch einmal einer „Premiumpolitur“ zu unterziehen.
  • Zum eigenen Schutz sollte man, etwa bei wechselnden Partnerinnen, mit auf deren Genitalhygiene achten. Sehen oder riechen Sie Smegma – ja, auch die Intimregionen der Frau bilden das Zeug – sollten Sie auf der Hut sein. Damit einem der Appetit auf den Cunnilingus nicht vergeht, ist sicher und sauber unbedingt notwendig, zumal es sonst nur selten äußere Anzeichen für eine HPV-Infektion gibt. Eine Ausnahme stellen Genitalwarzen dar, aber sie kommen nicht bei jedem/jeder infizierten Person vor; wenn also keine Genitalwarzen vorhanden sind, heißt das noch lange nicht, dass jemand HPV-frei ist!
  • Eine vorbeugende Impfung gegen HPV 16, das auch für die allermeisten HPV-bedingten Mund-Rachenraum-Krebsfälle verantwortlich ist, gibt es übrigens auch für Männer. Einige Krankenversicherungen übernehmen die Kosten für die Impfung.
 
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