Sex
Geändert am: 29. September 2014

Sexuelle Hilfsmittel bei körperlichen Einschränkungen

Written by menscore Published in Sex
Fachliche Beratung: Ärztliche Redaktion
 
Junge Frau mit Mann im Rollstuhl am Meer © mangostock - Fotolia.com

Es gibt speziell entwickelte Produkte, die es auch Männern mit körperlichen Behinderungen erleichtern, eine sexuelle Befriedigung zu erleben. Ein Experten-Beitrag von Martin Kessel, Diplom-Sexualpädagoge und zertifizierter Hersteller für Medizinprodukte in Moerfelden-Walldorf.

Viele der Produkte sind zwar nicht speziell für behinderte Menschen entwickelt, können aber gleichermaßen auch von Nichtbehinderten eingesetzt werden. So, wie man im Alter vielleicht eine Brille oder Gehhilfe braucht, kann Mann beim Sex Hilfsmittel einsetzen, die es leichter und schöner machen, Sexualität zu erleben. Behinderungen, Sexualität zu leben, können nicht zuletzt auch durch Alterungsprozesse bedingt sein.

Die nachfolgenden Hilfsmittel sind weder für alle gleichermaßen eine Lösung noch vollständig in der Aufzählung. Eingegangen in diese Tipps sind Jahrzehnte der Beratung und im Verkauf von Hilfsmitteln, persönliche Anfragen einzelner behinderter Menschen, aber auch halboffizielle Anfragen u.a. von Medizinern, die etwa Kriegsversehrte betreuen und diesen zu sexueller Lebensqualität verhelfen wollen. Auch für diese Zielgruppe gibt es Lösungen, z. B. in Form von Masturbationshilfen.

Gleitmittel

Viele Menschen benutzen seit jeher irgendwelche Gleitmittel. Oftmals sind diese Hausmittelchen aber nicht gerade zweckdienlich. Vaseline, Baby-Öl oder Sonnenmilch sind eher stumpf und allenfalls zur Körpermassage geeignet.

Gleitmittel auf Silikonölbasis haben eine extrem lange filmbildende Gleiteigenschaft. Lassen sich daher auch sehr schlecht wieder von der Haut herunterwaschen.

Beim Sex sind wasserlösliche Gleitmittel das Beste, damit es sanfter rutscht und stimuliert. Wasserlösliche Gleitmittel, die es heute in jedem Drogeriemarkt meist neben den Kondomen gibt, gehen eine Verbindung mit den Körpersekreten ein.

Mineralölhaltige Produkte und fetthaltige Gleitmittel bilden dagegen allenfalls eine Emulsion – haben daher schlechtere Gleiteigenschaften und sind meist nicht verträglich mit Kondomen aus Naturkautschuk (Latex).

Relativ neu am Markt ist ein Produkt, das auch wärmt und stimulierend wirken soll. Dieses „Warming Gel“ wirkt rasch, und stark aufgetragen macht es „heiß“. Für Menschen, die eher genital frieren oder eine Durchblutungsförderung benötigen, ist es eine ideale Hilfe. Es ist auch in Drogeriemärkten zu finden.

Spezielle Fragen zur Anwendung von Gleitmitteln ergeben sich bei Behinderungen z.B. bei gleichzeitiger Anwendung von Kathetern oder Urinal Kondomen. Falls diese aus Latex hergestellt sind, sollten nur mineralölfreie Gleitmittel angewandt werden.

Die Empfindlichkeit der Haut oder bestimmte Unverträglichkeiten (Allergien) sollten auch bei der Auswahl des Gleitmittels beachtet werden.

 

Vibrator für den Penis

Es gibt eine Art Vibrator für den Mann, in dessen zylinderförmige Höhle die Eichel und ein Teil des Penisschaftes eingeführt werden. Die Vibration (stufenlos steigerbar) und das Ansaugen in der Silikonhöhle sind sinnvolle Features zur Masturbation. Er eignet sich auch zur künstlichen „Gewinnung“ von Ejakulat, falls ein Mann, der nicht eigenständig zum Erguss kommen kann, Samen durch eine künstliche Ejakulation gewinnen und mittels Kondom zur Partnerin bringen möchte. Dies kann z.B. bei Querschnittsgelähmten der Fall sein. Material: Silikon. Energie ausreichend für gut sechs Stunden.

Es gibt auch anal anzuwendende Vibratoren zur Prostata Stimulation für Männer oder sogenannte „Seemannsbräute“, also künstliche Vaginas als Masturbationsgeräte.

Die übrigen Masturbationshilfen am Markt, welche mit Batterien betrieben rotieren und massieren, sind oft energetisch zu schwach, um eine ausreichende Befriedigung zu verschaffen.

Als Hilfsmittel bei Erektionsstörungen, also gänzlich ausbleibende Versteifung oder nicht anhaltender Erektion, gibt es die Vakuumerektionshilfe (auch Erektionspumpe oder Vakuumpumpe genannt), die auch von der Krankenkasse erstattet werden kann. Voraussetzung für die Kostenübernahme durch die Krankenversicherung ist ein Hilfsmittelrezept, das von Hausarzt oder Urologe ausgestellt wird. Der Patient trägt dabei nur die Rezeptgebühr.

Die manuell zu führenden Hilfsmittel, wie mit Wasser gefüllte Behälter oder künstliche Vaginas, erfordern aber, dass der Anwender mindestens ausreichend Kraft in den Händen hat, um diese Teile zu halten und zu bewegen.

Vibrator als Ejakulationshilfe

Ein anderes, spezielles, seit Jahren am Markt erhältliches Vibrationsgerät ermöglicht es Männern zu ejakulieren. Die Erfinder dachten an Querschnittsgelähmte und/oder Männer, die keine Möglichkeit oder Steuerung haben, zu ejakulieren, jedoch zeugen möchten. Der vibrierende Schaft des Gerätes wird unter das schlaffe Glied geführt. Die Vibrationen führen automatisch, spätestens jedoch nach 20 Minuten, zu einem Samenerguss. Das Gerät kostet ca. 600 Euro.


 

Vorzeitiger Samenerguss

Gegen dieses bei Männern stark verbreitete Problem gibt es am Markt (schwer zu bekommende) Sprays oder Gels, die lokalanästhetisch auf der Eichel wirken und vorübergehend die Sensibilität reduzieren. Wirkstoff ist meist Lidocain oder ein vergleichbarer Stoff.

Vor oder während des Liebesaktes eingesetzt, helfen diese Mittel deutlich. Der Mann „kann länger“, und verliert auch einen Teil des Stresses und gewinnt an Sicherheit. Ein sinnvolles Hilfsmittel, das schon manchem Mann praktisch geholfen hat.

Neu ist ein Medikament zu diesem Problem am Markt, das allerdings rezeptpflichtig ist. Informationen dazu können auch die verschreibenden Ärzte, etwa Urologen, geben.

Lagerung des Körpers

Wichtig beim Sex ist eine entspannte, bequeme Lagerung. Was jedem einleuchtet, führt in der Liebespraxis nicht immer in seine Umsetzung. Warum, wissen selbst die Liebesgötter nicht.

Eine feste Matratze, ein stabiles Kissen wirkt manchmal Wunder. Sex findet ja bekanntlich im Kopfe statt. Dies ersetzt jedoch nicht die körperliche Stimulierung der Geschlechtsorgane. Ohne angenehme Reibung oder „sich gegenseitig gut spüren“ wird es nur ein laues Vergnügen. Daher sind die richtige Unterlage und persönliche passende Kissen außerordentlich wichtig. Die richtige Lagerung für beide kann es unter Umständen erfordern, extra eine zusätzliche Matratze oder ein besonderes Kissen anzuschaffen oder „dafür“ bereit zu halten. Sparen Sie nicht an der Unterlage und probieren Sie aus, was Ihnen richtig gut tut.

Denn, „wie man sich bettet, so ...“. Die Matratze ist gerade bei körperlichen Einschränkungen ein wichtiges Hilfsmittel.

Hindernis Langeweile - und was hilft

Der Sexualität wohnt inne, dass irgendwann die erotische Spannung nachlässt. Neue Formen oder Phantasien, Wünsche, die man bisher nur im Kopf hatte aber nicht seiner Partnerin offenbart hat, können frischen Wind in das gemeinsame Bett bringen. Manche Paare schauen zusammen pornographische Filme an. Dieser Blick durchs Schlüsselloch darauf „wie es andere machen“ ist in Ordnung. Die Mehrzahl der Sexfilme ist harmloser als manch ein Kriegsfilm oder Horrorvideo. Eindeutige erotische Literatur oder Bilder sind ebenfalls geeignete Hilfsmittel zur Stimulation.

Auch erotische Unterwäsche kann helfen, denn sie ist nicht nur Schmuckwerk des nackten Körpers, sondern kann auch bestimmte Körperteile besonders vorteilhaft „präsentieren“. Die nicht mehr so feste, größere Brust kann mit einem ½ Cup BH oder einer Büstenhebe viel erotischer wirken, als im Standardnachthemd oder ohne Wäsche. Ein knapper farbiger Slip zeigt den schlafferen männlichen Po auch erotischer als weiße Feinripp Qualität mit Eingriff und „gut waschbar“.

Dessous und Wäsche sind nicht jedermanns Geschmack. Ausprobieren, was gefällt – vielleicht entdecken Sie in der Wäsche ein nettes Hilfsmittel für mehr Lust.

Lack und Lederdessous gelten im Erotikhandel als sogenannte „Fetischware“. Diese Materialien fühlen sich für einige Menschen aufregend an. Für andere wiederum nicht.

Beim einen früher, beim anderen später – bei manchen schon immer: die wenigsten von uns sind Schlangenmenschen. Irgendwann haben wir Einschränkungen hinzunehmen. Die Stellungen beim Sex begrenzen unsere Lust. Wir selbst können Formen und Stellungen suchen und auch finden, die trotzdem genussvoll sind.

Eine große Barriere hierbei ist der eigene Kopf. Wir haben Angst auszubrechen, um Neues auszuprobieren. Obwohl Frau und Mann meint, schon alles zu kennen: zum Glück gibt doch immer wieder noch eine neue Erfahrung, die zwei Menschen so noch nicht zuvor gemacht haben. Das gilt für alle gleichermaßen, Behinderte und Nichtbehinderte.

Der US-amerikanische Urologe und Sexualtherapeut David Schnarch beschreibt sehr schön in seinen Büchern, dass die meisten Menschen den Sex wegen der Intimität suchen und nicht um irgendwelche orgastische Meisterschaften zu gewinnen. In diesem Sinne sind die Hilfsmittel eine gute Unterstützung bei der Intimität, und deren Geheimnis ist die Wärme und Nähe des Körpers und der Haut des Menschen, mit dem Mann Sexualität erleben möchte.

Martin Kessel ist Diplom-Sexualpädagoge und zertifizierter Hersteller für Medizinprodukte in Moerfelden-Walldorf

 

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