Prostatakrebs
Geändert am: 08. Oktober 2014

Früherkennung Prostatakrebs – sinnvoll oder gefährlich?

Written by menscore Published in Prostatakrebs
Fachliche Beratung: Ärztliche Redaktion
 
Arzt zeigt mit dem Daumen runter, Ärztin hoch. Blauer Hintergrund © pix4U - Fotolia.com

Gehen oder nicht gehen, das ist hier die Frage - und zwar zur Früherkennungs- untersuchung für Prostatakrebs. Das Problem ist komplex, die Lösung zum Glück viel einfacher. Aber lesen Sie selbst.

Jeder Mann jenseits der 40 stellt sich irgendwann mal die Frage, ob er sich einer Früherkennungsuntersuchung von Prostatakrebs unterziehen soll oder nicht. Schließlich ist das Prostatakarzinom mit rund 63.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland die häufigste Krebserkrankung und dritthäufigste tumorbedingte Todesursache bei Männern; jedes Jahr sterben etwa 12. 000 Männer an dieser Krankheit. Früh erkannt, ist Prostatakrebs zu 90 Prozent heilbar, in fortgeschrittenem Stadium nicht mehr. Angesichts dieser Statistik sollte man meinen, dass Früherkennungsuntersuchungen einstimmig befürwortet würden. Dem ist aber nicht so.

Der Grund: Je früher und je häufiger die Früherkennungs-Untersuchungen durchgeführt werden, desto häufiger wird die Krankheit entdeckt. Und einmal entdeckt, wird sie meist auch operativ behandelt, und zwar oft mit den gefürchteten Komplikationen Impotenz und Inkontinenz als Folge.

Bedenkt man aber, dass Prostatakrebs überwiegend eine „Alterskrankheit“ des Mannes ist – er tritt meist im höheren Lebensalter auf und wächst sehr langsam (daher heißt es, dass die meisten Männer nicht an ihrem Prostatakrebs, sondern mit ihm sterben) -, stehen die Vor- und Nachteile einer frühen Entdeckung in keinem ganz so guten Verhältnis mehr.

Eine flächendeckende Durchführung von Früherkennungsuntersuchungen bedeutet nämlich, dass viele (verhältnismäßig jüngere) Männer um wichtige Aspekte ihrer Lebensqualität gebracht würden, nur um einige wenige auszusieben, die von einer frühen Entdeckung und Behandlung des Krebses tatsächlich profitieren würden. „Früher hat man oft bei auch sehr alten Männern den Prostatakrebs erst nach ihrem Tod, und zwar wegen anderer Ursachen, als Nebenbefund bei der Obduktion entdeckt. Das liegt daran, dass der Krebs bei vielen Männern zeitlebens „stumm“ bleibt und keine Beschwerden verursacht“, sagt Dr. Tobias Pottek, Chefarzt der Urologie am Asklepios Westklinikum in Hamburg-Rissen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Männer, die noch nicht alt sind, und deren Prostatakrebs alles andere als stumm bleibt.

Zwar will man zu Recht nicht, dass viele Männer an einem Krebs operiert werden, der sich letztlich als vergleichsweise harmlos herausstellt. „Aber ebenso wichtig ist es, diejenigen Männer rechtzeitig ausfindig zu machen, die von einer aggressiven Form des Tumors betroffen sind. Denn für diese ist eine frühe Entdeckung und Behandlung lebensrettend“, so der Hamburger Urologe.


Vorteile der flächendeckenden Früherkennung

  • Der Tumor kann so früh entdeckt werden, dass er heilbar ist. Beim lokal begrenzten Prostatakarzinom ist in 90 Prozent der Fälle Heilung möglich.
  • Der Tumor kann so klein sein, dass eine schonende Behandlung möglich ist.
  • Der früh erkannte Tumor bedarf unter Umständen keiner sofortigen Behandlung, sondern wird nur aktiv beobachtet. Möglicherweise muss der Tumor gar nicht behandelt oder erst bei fortschreitender Erkrankung in einem heilbaren Stadium therapiert werden.

 

Nachteile der flächendeckenden Früherkennung

  • Wie bei jedem Früherkennungsprogramm können Tumore entdeckt und möglicherweise behandelt werden, die keiner Behandlung bedurft hätten. Folgen dieser Überbehandlung können Inkontinenz oder Impotenz sein.
  • Der PSA-Test kann auf einen Tumor hinweisen, obwohl keiner vorhanden ist.
  • Der PSA-Test kann einen Tumor übersehen.

Wie gehen Männer bisher mit der Frage zur Früherkennung um?

Angesichts der Häufigkeit dieser Erkrankung, den guten Behandlungserfolgen bei rechtzeitiger sowie den möglichen Folgen einer verspäteten Behandlung, würde man eine höhere Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen vermuten. Tatsächlich sind es nur ganze 15 Prozent aller berechtigten Männer, die zur Untersuchung gehen, „Und auch das meist nur, weil ihre Frauen sie dazu „auffordern““, sagt der Experte Dr. Pottek aus Hamburg.

Warum das so ist? Einige der Gründe, die uns dafür einfallen:

  1. Arztbesuche sind für Männer generell unpopulär.
  2. Die Untersuchung der Prostata selbst, per Arztfinger oder Ultraschallgerät durch den After, ist sogar „unpopulärer“.
  3. Die Diagnose, die man als Dank dafür bekommen könnte, dass man sich 1. und 2. zugemutet hat, könnte Prostatakrebs lauten, eine Erkrankung, die gemeinhin mit Impotenz und Inkontinenz in Zusammenhang gebracht wird - und nicht nur die Krankheit, sondern gerade auch die Behandlung zieht oft diese Komplikationen nach sich – noch unpopulärer geht nicht.

Aus dieser Perspektive betrachtet, können wir es den Untersuchungs-Schwänzern zwar nicht wirklich verdenken, dass sie sich um solche Termine drücken. Für einige ist die Untersuchung aber eben auch überlebenswichtig.

Wer sollte nun zur Früherkennung gehen und wer nicht?

Man muss weg vom Alles-oder-Nichts-Prinzip und Ansätze finden, die beiden Gruppen gerecht werden. Solche Ansätze hat der Expertenrat der DGU formuliert und folgende Stellungnahme veröffentlicht:

  • Gemäß der geltenden ärztlichen Behandlungs-Leitlinie sprechen die Experten der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. keine generelle Empfehlung für den PSA-Test aus.
  • Männer ab 40 Jahren sollten von ihrem Urologen umfassend informiert und über Vor- und Nachteile der Früherkennung aufgeklärt werden.
  • Das persönliche Erkrankungsrisiko, auch das Lebensalter und die geschätzte Lebenserwartung sollten dabei berücksichtigt werden. Insbesondere Männer, deren Väter oder Brüder bereits in sehr jungem Alter an Prostatakrebs erkrankt sind, haben ein vier- bis fünffach erhöhtes Risiko selbst zu erkranken.
  • Männern, die sich für die Früherkennung entschieden haben, empfehlen die Experten der DGU einen PSA-Test zusammen mit einer Tastuntersuchung ab 45 Jahren.
 
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