Prostatakrebs
Geändert am: 05. Oktober 2014

Potent trotz Prostatakrebs-Op

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Fachliche Beratung: Ärztliche Redaktion
 
Potent trotz Prostatakrebs-Op © detailblick - Fotolia.com

Ist ein Krebs der Prostata operierbar, ist das ein sehr gutes Zeichen - wäre da nicht das Risiko der Impotenz und Inkontinenz. Es gibt aber Methoden, die Potenz auch bei kompletter Entfernung der Prostata zu erhalten.

 

Krebsfreiheit höchste Priorität

Hat sich der Tumor noch nicht im Körper ausgebreitet und ist er noch auf die Prostata begrenzt, bietet sich eine Operation zur Heilung der Krankheit an. Denn in diesen Fällen ist eine vollständige Entfernung des Tumors meist möglich – und nicht immer auf Kosten der Potenz.

Sehr lange mussten Männer mit dem Krebs auch die Fähigkeit zur Erektion verlieren. Und das mit gutem Grund: „Denn die wichtigste Maxime der Tumorchirurgie ist es, keine vom Krebs befallenen Zellen im Körper zurück zu lassen“, sagt Urologe Dr. Tobias Pottek, Chefarzt der Urologie am Asklepios Westklinikum in Hamburg-Rissen.

Deshalb wird die Prostata im Ganzen heraus operiert, einschließlich Bläschendrüsen (früher Samenblasen genannt) und Teilen der Samenleiter. Und da die Nerven, die für die Erektion zuständig sind, direkt an der Prostata, in der Prostatakapsel verlaufen, werden sie im Sinne einer vollständigen Tumorfreiheit mit herausgenommen. Für mehr als 90 Prozent der Betroffenen war’s das dann meist mit der Erektionsfähigkeit.

Früher war der Potenzverlust kaum vermeidbar. Heute müssen – wenn der Krebs bis in die Kapsel hinein gewachsen ist – zwar auch die Erektionsnerven mit entfernt werden. Aber wenigstens bei all jenen, deren Krebs noch klein ist und nicht auf die Kapsel übergegriffen hat, kann das Nervengeflecht, und damit die Potenz, geschont werden.

Prostataoperation mit Potenzerhaltung

Für diese Operationsmethode wird meistens der so genannte „retropubische Zugang“ gewählt, was bedeutet, dass der Schnitt am Unterbauch (oberhalb des Schambeins) gesetzt wird. Anders als bei der Operation durch den Damm kann auf diese Weise das befallene Prostatagewebe aus der Kapsel einfacher entfernt werden, während die dünne äußere Kapsel selbst – mit dem wichtigen Nervengeflecht – erhalten bleibt. Die Bläschendrüsen und die Prostata-nahen Anteile der Samenleiter werden übrigens auch bei der nerverhaltenden Operation entfernt.

 

 

Voraussetzungen für die potenzerhaltende Prostata-Op:

  1. Der Krebs hat die Prostatakapsel noch nicht durchbrochen,
  2. der Patient ist in gutem Allgemeinzustand und
  3. hat eine statistische Lebenserwartung von mindestens zehn Jahren.

Die Heilungschancen liegen bei 85 bis 90 Prozent, wobei es aber gelegentlich zu einer Verletzung des Harnröhrenschließmuskels kommt, und Betroffene danach den Harn nicht mehr halten können (Inkontinenz).

Wachstum möglich

Übrigens, eine gute Nachricht: "Bis nach etwa vier Jahren können die Nerven auch wieder nachwachsen", berichtet Dr. Volker Moll, Urologe und Männerarzt aus Augsburg.Aber Achtung: "Wird die Schwellkörpermuskulatur zwischenzeitlich nicht trainiert, erfolgt ein bindegewebiger Umbau und die Funktion geht verloren", so der Experte.

"Trainingstipps" von Dr. Moll:

Training heißt Erektion, auch wenn sie nicht für den Geschlechtsverkehr hart genug ist, denn es kommt auf den vermehrten Einstrom arteriellen Blutes (und damit die Erhöhung des Sauerstoffpartialdruckes im Schwellkörper) an. Gesunde Männer kennen dieses Training als nächtliche Erektionen in den Tiefschlafphasen und als „Morgenlatte“.

Zu wenige Nervenimpulse lassen sich durch PDE-5-Hemmer verstärken, die Therapie ist teils aber langfristig (bis 4 Jahre) erforderlich.

Eine Vakuumpumpe allein hat wegen des Einsagugens von venösem Blut wenig Trainingseffekt, der aber in Kombination mit der Einnahme von PDE-5-Hemmern gesteigert werden kann.

Aber:

Auch wenn die Erektionsnerven entfernt werden mussten, und keine Innervation mehr da ist, also keinerlei Reaktion des Penis auf Stimulation, bedeutet das nicht zwangsläufig das Ende für das Liebesleben. Für viele sind die SKAT (SchwellKörperAutoinjektionsTherapie) oder MUSE (angenehmer in der Anwendung), aber auch die Implantation von Schwellkörperprothesen gute Möglichkeiten, weiterhin Sex haben zu können.

 
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