Erektion
Geändert am: 05. Oktober 2014

Statt Pistolen: Pillen, Pumpen & Prothesen

Written by menscore Published in Erektion
Fachliche Beratung: Ärztliche Redaktion
 
Das wird bestimmt nicht helfen Das wird bestimmt nicht helfen © Benicce - Fotolia.com

Millionen Männer kämpfen für ihre Erektionsfähigkeit, ein Milliardenmarkt für die Hersteller von Produkten, die den Mann wieder aufrichten sollen. Hier eine Auswahl der wirksamen Mittel, und für wen sie geeignet sind - mit Besonderheiten und Nebenwirkungen.

Fünf bis sieben Millionen deutscher Männer können nicht, wie sie wollen. Damit sind nicht diejenigen gemeint, die nur mal einen „Durchhänger“ haben, eine gelegentliche Erektionsschwäche. Jeder Mann hat solche Aussetzer, darf sie auch haben. Das be­deutet noch keine Impotenz. Ernst wird es erst, wenn erfolglose Erektionsversuche über einen Zeitraum von über drei bis sechs Monaten auftreten. Dann sprechen Mediziner von erektiler Dysfunktion (ED), kurz: Impotenz.

Besonders in der Altersgruppe unter 50 Jahren sind seelische Ursachen häufiger die Ursache für Impotenz. Deshalb wird Impotenz von Experten nicht mehr als reine Alterskrankheit angesehen (Erstes Internationales Expertengespräch in Paris, Veranstalter war die Weltgesundheitsorganisation, WHO). Stress im Beruf, Überforderungsgefühl, übertriebene Erwartungen an die eigene Männlichkeit, Versagensängste und Beziehungsprobleme rauben den jüngeren Männern nicht nur den Nachtschlaf, sondern auch die körperlichen Möglichkeiten zum Beischlaf.

Alter gefährdet

Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil der körperlichen Ursachen zu: Gefäßkrankheiten wie Arteriosklerose, Blutzuckerkrankheit, Multiple Sklerose, Nierenkrankheiten und Nervenerkrankungen nach Operationen im kleinen Becken. Übermäßiges Rauchen und zu viel Alkohol, die Einnahme bestimmter Herz-, Beruhigungs- und Blutdruckmittel und Anti-Androgene sowie Drogenprobleme tun ein Übriges – unabhängig vom Alter.

Es gibt auch unter jungen Männern körperlich bedingte Erektionsstörungen, etwa Veränderungen an den Blutgefäßen durch die Blutzuckerkrankheit oder Fettstoffwechselstörungen; umgekehrt können auch seelische Probleme bei über 50jährigen zur Impotenz führen.

Und: natürlich kann man auch „Läuse und Flöhe gleichzeitig“ haben, nämlich körperliche und seelische Gründe zur selben Zeit, die eine Erektion verhindern.

Ärzte können helfen

Auch gegen die psychisch bedingte Impotenz gibt es Hilfe, aber nur wenige Betroffene gehen deshalb zum Arzt. Dabei ist mit den Potenz-Pillen vieles einfacher geworden.

Werden körperliche Ursachen ausgeschlossen, kann parallel zur oder anstelle einer Psychotherapie mit denselben Maßnahmen, die sonst bei körperlich bedingter Impotenz zum Einsatz kommen, nämlich mit einer Potenzpille, symptomatisch behandelt werden. Manchmal reicht schon eine Anwendung. Denn oft ist der Impotenz-Mechanismus denkbar einfach: „Oft katapultieren sich Männer, bei denen es einige Male nicht geklappt hat, in einen Teufelskreis: nach dem ersten „Versagen“ wird die Angst vor dem nächsten Mal größer, ebenso der Leistungsdruck. Die nächste Enttäuschung ist dann meist vorprogrammiert“, sagt Urologe Dr. Tobias Pottek, Chefarzt der Urologie am Asklepios Westklinikum in Hamburg-Rissen. Wird nun z. B. mit einer Pille oder einem anderen Hilfsmittel dieser Teufelskreis durchbrochen, gewinnt der Betroffene wieder mehr Selbstvertrauen, er weiß dann, dass er noch kann – und auch ohne Hilfsmittel könnte.

Erektion auf Rezept

Mit Pillen, Pflastern oder Pumpen steht ein großes Arsenal zur Steigerung des Stehvermögens zur Auswahl. Beinahe jeder Fall kann erfolgreich behandelt werden.


Pillen

Die Wirkstoffe der bekannten Pillen gegen erektile Dysfunktion (Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil) gehören zur selben Substanzgruppe, den PDE-5-Hemmern. Entsprechend haben sie sehr ähnliche Wirkungs- und auch Nebenwirkungsprofile. Ihnen allen ist auch gemein, dass sie erst nach sexueller Stimulation zu einer Erektion führen, "wie ein Katalysator, der wirkt auch nur, wenn man vorher den Motor anmacht", erklärt der Augsburger Urologe und Männerarzt Dr. Volker Moll.

Viagra - das blaue Wunder

Der Viagra-Wirkstoff Sildenafil verstärkt die Entspannung der Gefäße im Penis, und das für die Erektion erforderliche Blut fließt ein. Die Wirkung des rezeptpflichtigen Mittels beginnt etwa eine halbe bis eine Stunde nach Einnahme, jedoch nur bei sexueller Stimulation. Viagra ist in etwa 70 Prozent der Fälle von Impotenz wirksam.

Nebenwirkungen:

Viagra kann gelegentlich Kopfschmerzen, Gesichtsröte, Schwindel und Sehprobleme (blauer Schleier, verschwommenes Sehen) verursachen.

Gefahren:

Männer, die gefäßerweiternde Medikamente einnehmen, z.B. Herzmittel mit Nitraten oder Molsidomin gegen Angina pectoris, bringen sich mit dem Wirkstoff von Viagra in Lebensgefahr. "In diesen Fällen sind PDE-5-Hemmer gefährlich und absolut verboten", so der Augsburger Experte Dr. Volker Moll. Auch bei schweren Leberschäden und der Augenkrankheit Retinitis pigmentosa sollte man besser auf andere Mittel ausweichen.

Achtung:

Bei höherer Dosis verstärken sich die unerwünschten Nebenwirkungen, die erwünschte Hauptwirkung wird aber nicht besser.

Cialis und Levitra

Levitra ist bedingt Quickie-tauglicher als Viagra– bereits nach 20 bis 40 Minuten steht „er“ bereit.

Cialis eignet sich dagegen eher fürs romantische Wochenende: Die Wirkung hält nach der Einnahme bis zu 36 Stunden und ermöglicht währenddessen jederzeit spontanen Sex – keine Sorge, es kommt nicht zur Dauererektion, sondern „nur“ zur andauernden Erregbarkeit.

Nebenwirkungen:

Nach der Einnahme von Levitra wird laut Hersteller am häufigsten über Kopfschmerzen und Gesichtsrötung berichtet. Cialis kann neben Kopfschmerzen auch zu Verdauungsstörungen und Muskelschmerzen führen.

Gefahren:

Da es sich in beiden Fällen wie bei Viagra um Phosphodiesterase-Hemmer handelt, gelten die gleichen Einschränkungen für Herzpatienten: „Wer Blutdruck- oder Herzprobleme hat oder Nitrathaltige Herzmedikamente einnimmt, sollte die Finger von diesen Mitteln lassen. Es droht sonst Lebensgefahr“, warnt Pottek.

Übrigens: „Es gibt Cialis jetzt auch in einer 5-mg-Dosierung, die täglich eingenommen wird. Der Vorteil ist, dass man „allzeit bereit“ ist“, so der Hamburger Urologe Pottek. 


© Murat Subatli / Fotolia

Testosteron: Das Sexhormon macht Männer stark

Testosteron wirkt im ganzen Körper, stellt dort und im Gehirn alle Weichen auf Angriff und Eroberung. So erhöht eine Testosterontherapie auch die Libido. Und was bringt schon Potenz, die nicht mit Lust gepaart ist? Das blaue Wunder Viagra muss da passen. Die Patienten berichten außerdem von einer insgesamt verbesserten Befindlichkeit, stärkerem Bartwuchs, wachsender Dynamik und mehr Muskeln.

Das Liebespflaster: Mehr Lust, mehr Power

Bis vor kurzem wurde dem männlichen Sexualhormon Testosteron zwar eine Bedeutung bei der Lust, kaum aber bei der Potenz zugestanden. Neue Untersuchungen zeigen, dass Testosteron für die Erektion eine zentrale Rolle spielt. Im Gehirn sorgt es für eine Erhöhung der Erregbarkeit und lässt mehr Synapsen entstehen, was die Reizleitung zum Penis verbessert. Aber vor allem aktiviert Testosteron das Enzym Stickoxid-Synthetase in den Penis-Schwellkörpern. Ohne dieses Enzym entsteht kein Stickoxid, ohne den Nervenbotenstoff Stickoxid entsteht keine Erektion, weil sich die glatte Muskulatur in den Schwellkörpern nicht entspannt. In bis zu 8,5 Prozent der Fälle von Impotenz ist der Testosteronspiegel im Blut zu niedrig. Deshalb sollen verschreibungspflichtige Testosteronpflaster, etwa „Androderm“ oder „Testoderm“, den Penis aus dem Tief holen, wenn ein Hormonmangel an der Erektionsschwäche schuld ist. Man spricht in diesen Fällen (bei Testosteronspiegeln unter 12 Nanomol pro Liter) von Hypogonadismus – einer Unterfunktion der Hoden. Die Pflaster können auf Rücken, Bauch, Oberarm bzw. -schenkel oder direkt auf den Hodensack geklebt werden. Das Hormon geht durch die Haut direkt ins Blut. Außer Pflastern stehen auch Spritzen, Implantate, Pillen und Gele mit Testosteron zur Verfügung, die bis auf die Gele den Körper aber deutlich ungleichmäßiger mit dem männlichen Sexualhormon versorgen. Seit Juni 2000 ist Testosteron auch als Gel (z.B. Androtop-Gel) zugelassen, das in die Haut an Bauch oder Schultern einmassiert wird. Es stellt eine einfache und effektive Alternative zu Pflastern oder Spritzen dar. Doch Händewaschen ist Pflicht: Speziell schwangere Frauen sollten nicht damit in Berührung kommen, um weder sich noch den Fötus zu gefährden.

Ausgeschlossen:

Da Testosteron möglicherweise das Wachstum von Prostatakrebs fördern kann, sollte eine Erkrankung vor der Therapie sicher ausgeschlossen werden.

Nebenwirkungen:

Die Körperpflaster (Androderm) können Hautreizungen verursachen, die Hodensackpflaster (Testoderm) machen die unterschiedlichen Ausdehnungen des Hodensacks nicht mit. Haarausfall und Akne können bei einer Testosterontherapie verstärkt auftreten. Testosteron senkt die Wirkung blutverdünnender Medikamente und die von Insulin bei Diabetikern. Auch auf Herz-Kreislauf-Probleme sollte man den Arzt hinweisen. 


Reizender Stich: SKAT, die Schwellkörper-Autoinjektions-Therapie

Betroffene spritzen sich vor dem Geschlechtsverkehr mit einer Spritze oder einem Injektionsgerät das gefäßerweiternde Gewebehormon Prostaglandin E1 (Alprostadil) in die Schwellkörper. Die Erektion kommt nach 10 bis 15 Minuten und hält ungefähr eine Stunde an – unabhängig von sexueller Erregung. Die SKAT-Spritze ist insbesondere für Männer mit verengten Gefäßen und Schädigung der Erektionsnerven geeignet.

Nebenwirkungen:

Bei Überdosierung oder Dauernutzung droht eine Dauererektion. Wird dieser so genannte Priapismus nicht rechtzeitig behandelt, droht der Funktionsverlust der Schwellkörper mit ernsthafter Impotenzgefahr.

Zäpfchen für den Zipfel: MUSE

Muse steht für Medizinisches Urethrales System zur Erektion. Statt per SKAT-Spritze wird mit einem Röhrchen ein winziges Medikamentenkügelchen (Zäpfchen) mit dem gefäßerweiternden Wirkstoff Alprostadil in die Harnröhre geschoben. Durch Kneten des Penis löst es sich auf und wird ins Schwellkörpergewebe aufgenommen. Nach etwa 15 Minuten tritt in 48 bis 65 Prozent der Fälle die erwünschte Wirkung ein, die Erektion hält ungefähr eine Stunde an.

Nebenwirkungen:

Jeder dritte Patient beklagt Penisschmerzen, bei jedem achten tritt ein unangenehmes Brennen in der Harnröhre auf, außerdem kann es zu geringen Harnröhrenblutungen, Hoden- und Kopfschmerzen kommen. Und obwohl bei diesem Verfahren der Wirkstoff nur am Penis angewandt wird, kann es wegen der hohen Dosis (das 10- bis 100-fache der Dosis, die bei der SKAT zum Einsatz kommt) auch zu Kreislaufproblemen kommen. In seltenen Fällen treten Dauererektionen auf (Priapismus). Übrigens: Beim Sex mit Schwangeren sollten MUSE-Anwender immer ein Kondom benutzen.

Belastungstest: Spritze oder Zäpfchen?

© fotoali / Fotolia

 

US-Forscher von der Columbia University in New York haben in einem Test die Wirksamkeit der Potenzmittel SKAT und MUSE verglichen. Dazu hängten sie Ein-Kilo-Gewichte an die Penisse. Das Ergebnis: 60 Prozent der SKAT-Anwender konnten im Biegetest dem Gewicht widerstehen. In der MUSE-Gruppe bogen sich dagegen 78 Prozent der Penisse unter dem Gewicht, nur 22 Prozent blieben standhaft. 


Wachstum unter Druck: Vakuumpumpe

Der Penis wird in einen Plastikzylinder geschoben, in dem per Pumpe ein Unterdruck erzeugt werden kann. Dadurch wird Blut in den Penis gesogen. Ist die Versteifung erreicht, wird ein Gummiring um die Peniswurzel gelegt. Das Blut kann nun nicht mehr abfließen. Diese mechanische Methode eignet sich für alle Impotenz-Ursachen und kann so oft wie gewünscht angewendet werden.

Probleme:

Der Penis wackelt an seiner Wurzel und fühlt sich kühl an. Außerdem darf eine Erektion nicht länger als 30 Minuten aufrechterhalten werden, um organische Schäden zu vermeiden.

Prickelndes Vergnügen: Reizstrom-Elektroden

Zwei Hautelektroden werden am Penisschaft befestigt, das Stimulationsgerät – so groß wie eine Zigarettenschachtel – kommt in die Hosentasche. Nun können fünfmal täglich für je 20 Minuten mit einer Frequenz von 10 bis 30 Hertz die Schwellkörper trainiert werden. Damit eine eventuelle Erektion in der Hose nicht abgeknickt wird, sollte der Penis dazu nach oben zeigend gelagert sein.

 

Operation von Blutgefäßen

Manchmal kann ein angeborenes Fehlen oder die ungenügende Ausbildung von Arterien im Penis die Ursache für Impotenz sein. Es sind meist junge Männer, die sich mit diesem Krankheitsbild und dem Problem „Impotenz“ beim Arzt vorstellen. Aber auch erworbene Gefäßverletzungen – etwa durch Operationen im Becken- oder Dammbereich – können zu Impotenz führen. In diesen Fällen können Gefäße chirurgisch umgeleitet werden. Der Penis bekommt dann aus mehreren Quellen Blut. Existiert dagegen ein Leck im Venensystem des Penis, wodurch das Blut zu schnell aus den Schwellkörpern abfließt, kann es ebenfalls chirurgisch abgedichtet werden.

Achtung:

Da die Langzeitergebnisse nicht befriedigend sind, werden diese Verfahren heute nicht mehr ernsthaft angewendet.

Penisimplantate – für besondere Härtefälle

Wenn das Schwellkörpergewebe irreversibel zerstört ist, bei chronischen Erektionsproblemen und wenn alle anderen Behandlungen fehlgeschlagen sind, kann man operativ Implantate in die Penis-Schwellkörper einsetzen. Es gibt verschiedene Varianten:

Flexibles Implantat:

Es besteht aus einem Paar flexibler Silikonstäbe, die mit der Hand nach oben oder nach unten gebogen werden können.

Problem:

Bei dieser Ausführung bleibt der Penis immer halbwegs erigiert.

Hydraulisches Implantat:

Es besteht aus einem Paar hohler Stäbe, einem Behälter mit Salzlösung und einer Pumpe. All das wird unter der Haut versteckt. Braucht man eine Erektion, drückt man einfach den Hodensack, und der Penis wird größer. Nach getaner Arbeit läuft die Flüssigkeit in den Tank zurück, die Erektion verschwindet.

Probleme:

In seltenen Fällen treten Infektionen auf, die aber mit Antibiotika rasch behandelt werden können.

Schwellkörperimplantate sind heute bei den Männern, die durch Medikamente nicht zu einer guten Erektion kommen, eine gute Lösung. Ganz einfach ist diese Operation nicht. „Aber in erfahrener Hand sind diese Implantationen heute kein Problem mehr“, sagt der Hamburger Chirurg Dr. Tobias Pottek.

 

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