Hodenkrebs
Geändert am: 31. Mai 2015

Hodenkrebs - jeder Tag zählt

Written by menscore Published in Hodenkrebs
Fachliche Beratung: Dr. med. Tobias Pottek
 
Von außen nicht zu sehen Von außen nicht zu sehen © Rob Stark - Fotolia.com

Hodenkrebs wählt sich junge Opfer, wächst schnell und kann tödlich sein. Aber er ist heilbar, wenn er möglichst früh entdeckt wird. Alles über diesen Krebs und eine Anleitung, wie Sie ihn frühzeitig entdecken können.

Selbst die härtesten Kerle zucken zusammen, wenn auf der Leinwand jemand einen gut platzierten Tritt zwischen die Beine bekommt. „Dabei sind die Schmerzen bei Prellungen und Verletzungen der Hoden im Vergleich zu den Folgen von Hodenkrebs geradezu ein Kindergeburtstag", sagt Dr. Tobias Pottek, Chefarzt der Urologie am Asklepios Westklinikum Hamburg-Rissen. Der Hodenkrebs ist zwar ein seltener Tumor – weit über 4.000 Männer erkranken jährlich neu daran. „Davon sind allerdings fast alle zwischen 20 und 50 Jahre alt", so Pottek. Unentdeckt oder unbehandelt lässt der Hodenkrebs den Betroffenen knapp ein- bis zwei Jahre Restlebenszeit. Wird er dagegen früh entdeckt und konsequent behandelt, liegen die Heilungschancen bei 98 bis 100 Prozent. „Bei keiner anderen Erkrankung ist der geforderte Einsatz so gering und der Gewinn so hoch, und vor allem so sicher", meint der Experte. Der Einsatz besteht darin, die Hoden so oft wie möglich, aber mindestens einmal im Monat, selbst abzutasten und hin und wieder vom Urologen checken zu lassen. Denn der Hodenkrebs wächst sehr schnell; seine Verdopplungszeit wird auf zwei bis vier Wochen geschätzt. Ihn rechtzeitig zu entdecken ist der Jackpot: die volle Lebenserwartung. Es lohnt sich also unbedingt, beim geringsten Verdacht den Urologen aufzusuchen.

Mehr als verdoppelt

Unter den Hodentumoren sind etwa 95 Prozent bösartig. Und fast alle davon (ca. 90 bis 97 Prozent) entstehen aus den Keimzellen des Hodens, den Vorläufern der Samenzellen. Da im Hoden verschiedene Zelltypen vorkommen, unterteilt man den Hodenkrebs je nach seinem Ursprung in zwei gleich große Hauptgruppen: in Seminome, die bei 30 bis 40-Jährigen öfter vorkommen und Nicht-Seminome, die bevorzugt zehn Jahre früher auftreten. Nicht-Seminome sind bösartiger als Seminome. Sie werden genauso operiert wie Seminome, aber nicht bestrahlt, weil sie nicht strahlenempfindlich sind. "In den letzten 30 Jahren hat sich die Häufigkeit von Hodenkrebs mehr als verdoppelt", weiß Pottek. Experten vermuten, dass das unter anderem an der verbesserten und früheren Diagnose liegt.

Risiko und Ursache

Risikofaktoren für Hodenkrebs gibt es viele. Ist ein Hoden nach Ende des ersten Lebensjahres noch nicht in den Hodensack gewandert (Hodenhochstand), sondern bleibt in Bauch- oder Leistengegend, haben Betroffene ein bis zu 20fach erhöhtes Risiko. Durch eine frühe operative Korrektur kann dieses Risiko zwar erkannt, aber nicht auf das der Normalbevölkerung gebracht werden.

Auch die Gene tun ein Übriges: Hat der Krebs einen Hoden befallen, ist der zweite Hoden stärker gefährdet. Und: „Ihr Risiko ist verzehnfacht, wenn Ihr Bruder an Hodenkrebs erkrankt ist", sagt Urologe Dr. Pottek. Für eine Beteiligung der Erbanlagen spricht auch, dass Westeuropäer ein höheres Risiko als Afroamerikaner und Asiaten haben.

Auch eine Entzündung, Verletzung oder Unterentwicklung des Hodens erhöht die Gefahr für Hodenkrebs.

Zwar wurde in Studien eine Zeit lang vermutet, dass ein hohes Maß an körperlicher Belastung bei Jungen und jungen Männern das Hodenkrebsrisiko um 70 bis 85 Prozent erhöht, ein Beweis hierüber wurde aber nie erbracht.

 

Symptome und Untersuchung

Das Hauptsymptom bei Hodenkrebs ist die schmerzlose, harte, meist einseitige Schwellung des Hodens. Der derbe Knoten im Hodensack wird vom Patienten selbst oder der Partnerin entdeckt. Dieser Befund bei einem Mann um die Dreißig und eventuelle Risikofaktoren leiten den Arzt zum Verdacht. Er tastet die Hoden ab und untersucht sie mit Ultraschall. Außerdem lässt er im Blut Proteine bestimmen, die eine Aussage über das Vorliegen, einer Krebserkrankung erlauben, sogenannte Tumormarker. Beim Hodenkrebs sind das im Wesentlichen das AFP (alpha-Fetoprotein), beta-HCG (humanes Choriogonadotropin) und die LDH (Laktatdehydrogenase). Die endgültige Diagnose wird nach der mikroskopischen Untersuchung einer Gewebeprobe aus dem Hoden gestellt.


 

Frühe Operation

Die Therapie des Hodentumors besteht immer darin, den Krebs möglichst vollständig herauszuoperieren. Hat man den Krebs in einem frühen Stadium erwischt, wird es dabei belassen. Der Betroffene muss nur noch alle drei Monate zur Nachuntersuchung gehen. Das war nicht immer so. Auch wenn der Tumor noch auf den Hoden beschränkt war, erfolgte bis vor kurzem immer eine zusätzliche Strahlen- oder Chemotherapie, um alle eventuell oder tatsächlich vorhandenen Tochtergeschwülste im Bauchraum zu vernichten bzw. den Tumor an einer Ausbreitung zu hindern. „Hat sich der Hodenkrebs mit hoher Wahrscheinlichkeit (noch) nicht über den Hoden hinaus ausgebreitet, gibt es auch die Möglichkeit des "Surveillance". Nach neueren Studien sind die Heilungschancen von Patienten, die nach der Operation nur regelmäßig nachuntersucht werden, nicht schlechter als die der Männer, die eine zusätzliche Chemotherapie oder Bestrahlung bekommen hatten", so der Experte Pottek. „Das sind sehr gute Nachrichten, die dem einen oder anderen die Angst vor der Diagnose und damit der Untersuchung nehmen sollten".

Der rettende Schnitt

Bei der Operation wird durch einen Schnitt in der Leiste der betroffene Hoden mitsamt Nebenhoden und Samenstrang entfernt. Aus dem Hoden der Gegenseite wird eine Gewebeprobe entnommen, um einen Befall auch dieses Hodens auszuschließen. Nach Wunsch des Betroffenen kann der entfernte Hoden in derselben Operation durch eine Silikon-Hodenprothese ersetzt werden. Der Hoden der Gegenseite reicht übrigens für die Spermien- und Testosteronproduktion aus. Allerdings ist bei etwa der Hälfte aller Tumorpatienten die Samenbildung auch bei dem gesunden Hoden eingeschränkt. Die Gründe sind noch nicht geklärt.

Ungefähr fünf Prozent der Patienten mit einem Hodenkrebs entwickeln irgendwann auch einen Hodenkrebs auf der Gegenseite. In diesen Fällen wird der Hoden bestrahlt, wodurch allerdings die Keimzellen zerstört werden und man unfruchtbar wird. Die Testosteron produzierenden Zellen dagegen halten den Strahlen stand. Deshalb ist eine Hormon-Ersatztherapie meist nicht notwendig und das Sexualleben bleibt verschont. Um dem Risiko einer Unfruchtbarkeit vorzubeugen, wird den Betroffenen geraten, vor der Therapie Samen in einer Samenbank zu deponieren. Ein späterer Kinderwunsch kann dann mittels künstlicher Befruchtung erfüllt werden.

 

Krebsfrüherkennung

Bisher sind keine wirksamen vorbeugenden Maßnahmen für den Hodenkrebs bekannt. Jedem Mann ist daher die Selbstuntersuchung zur Früherkennung des Krebses zu empfehlen. Sie ist umso wichtiger, als die Verdopplungszeit des Hodenkrebses auf zwei bis vier Wochen geschätzt wird. Insbesondere Männer, die Risikofaktoren für die Entstehung von Hodenkrebs aufweisen, sei es ein Hodenhochstand oder die Zugehörigkeit zu bestimmten Berufsgruppen, sollten regelmäßig, das bedeutet alle 4 Wochen, die Hoden nach Veränderungen abtasten. Mit Daumen und Finger wird der Hoden im Hodensack nach eventuellen Knoten abgetastet. Auch die Größe und das Gewicht der Hoden sollten über die Zeit hinweg genau beobachtet werden. Insgesamt ist die Selbstuntersuchung allen Männern zwischen dem 15. und 50. Lebensjahr zu empfehlen.

Um den Hodenkrebs im harmlosen Stadium zu erwischen, ist es notwendig, die Hoden engmaschig selbst abzutasten. Denn im ganz frühen Stadium kann er vollständig geheilt werden – ohne Chemotherapie, ohne Bestrahlung - und unter Erhalt der Potenz.

So tasten Sie Ihre Hoden ab

• Wie groß Ihr persönliches Risiko auch sein mag, Vorsorge ist einfach: Tasten Sie ab dem 15. Lebensjahr regelmäßig Ihre Hoden selbst ab.

• Einmal im Monat sollten Sie nach einem heißen Bad oder einer heißen Dusche – wenn der Hodensack entspannt ist – nacheinander beide Hoden vorsichtig mit den Fingern abtasten.

• Die Hoden sollten glatt und oval sein und sich wie ein hart gekochtes Ei ohne Schale anfühlen.

• Unter leichtem Druck tastet man nach Schwellungen des Hodens, harten Stellen oder Knoten, die sich anders anfühlen als das umgebende Gewebe. Doch keine Panik: Bei der Erhöhung hinter jedem Hoden handelt es sich um die Nebenhoden.

Beziehen Sie in die Untersuchung auch die Nebenhoden, die Sie an den oberen Polen der Hoden finden, ein. Größenunterschiede der Hoden sind nicht bedenklich. Wenn Sie aber Veränderungen, Schmerzen, Knötchen, Unebenheiten oder Unterschiede in der Festigkeit der Hoden oder Nebenhoden feststellen, sollten Sie diese sofort vom Urologen untersuchen lassen.


Achtung bei diesen Anzeichen

• Jegliche Veränderungen und eventuell schmerzlose Verhärtungen des Hodensackes oder eines Hodens können – müssen aber nicht – deutliche Hinweise auf Hodenkrebs sein.

• In seltenen Fällen kommt es auch zu einer Vergrößerung der Brüste und dem Verlust von Bauch- und Schamhaaren.

Suchen Sie beim geringsten Verdacht sofort einen Urologen auf. Der kann den Verdacht schnell, schonend und zuverlässig durch eine Ultraschalluntersuchung abklären.

• Lassen Sie sich bei erhöhtem Risiko zusätzlich alle halbe Jahre vom Arzt untersuchen. Beim geringsten Verdacht sofort zum Urologen, der kann durch eine Ultraschalluntersuchung recht zuverlässig einen Verdacht abklären. Und ab dem 40. Lebensjahr sollte man einmal im Jahr zur Vorsorgeuntersuchung gehen.

 

Hodenkrebs: Wie hoch ist Ihr Risiko?

Hodenkrebs ist die gefährlichste Hodenerkrankung und stellt bei Männern zwischen 25 und 34 Jahren die häufigste Krebsart dar. Unbehandelt führt Hodenkrebs nach etwa ein- bis bis Jahren zum Tod. Wird der Krebs dagegen rechtzeitig entdeckt, ist er in 97 Prozent aller Fälle heilbar. Übrigens: Der Verlust eines Hodens kann durch eine Silikonprothese ausgeglichen werden. Ein gesunder Hoden reicht für die Samen- und Hormonproduktion.

  • Ihr Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken, kann sich durch einen Hodenhochstand, der bis nach dem zweiten Lebensjahr anhielt, um das 2- bis 4fache erhöhen.
  • Es «verzehnfacht sich, wenn Ihr Bruder an Hodenkrebs erkrankt ist», sagt der Hamburger Experte Dr. Pottek.
  • «Auch nach einer Beseitigung des Hodenhochstandes besteht weiterhin ein 20faches Risiko für Hodenkrebs», so Pottek.
 

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