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23. Oktober 2014

Sex, Angst & Schrecken

Written by K.J. Schindler, Published in Blog
 
Sex, Angst & Schrecken © detailblick - Fotolia.com

Es muss ja nicht immer die körperliche Vereinigung sein, meint unser Autor. Ein Hochhaus zum Springen etwa scheint ihm für wahnhaften Exzessen anheim gefallene Liebhaber die sinnvollere Lösung zu sein, ganz besonders auch zum Wohle der übrigen Beteiligten. 


Eigentlich bin ich ganz zufrieden mit meinem Schicksal, als Mann geboren worden zu sein. Ich kann zum Beispiel mehr rauchen und bessere Getränke erwerben, weil ich nicht so viel Geld für Schuhe ausgeben muss. Wäre ich andererseits eine Frau, müsste ich wahrscheinlich barfuß laufen, da ich meine ganze Kohle garantiert zum Nervenarzt schleppen würde. Und ich wäre bestimmt von großer Wut auf's Neoproterozoikum durchdrungen. Denn damals, vor ungefähr 600 Millionen Jahren, hat sich das so langsam mit der Sexualität eingebürgert, mit Partnern und desgleichen. Vorher vermehrten sich die Lebewesen schlicht vermittels einfacher Zellteilung.

Ob ich was gegen Sex habe? Überhaupt nicht, denn ich bin eben keine Frau. Meine Konfusion begann, als ich mich vor ein paar Jahren bei Spaghetti Carbonara (die echten, ohne vernichtende Sahnesoße, dafür mit angebratenem Parmaschinken und frischem Eigelb) in lauterer erotischer Absicht einem sehr schönen Geschöpf näherte und wir schließlich einstimmig beschlossen, nach dem Digestif (Wodka, ein paar Spritzer Zitrone, ein Hauch Aperol, vorsichtig umrühren, dann eine winzige Prise gemahlenen Kaffees und ein nagelneues Minzblatt obendrauf, um Gottes willen kein Eis)...

Also nochmal: Meine Konfusion begann, als ich mich vor ein paar Jahren in lauterer erotischer Absicht einem sehr schönen Geschöpf näherte und wir schließlich einstimmig beschlossen, nun der wundervollen körperlichen und sinnlichen Vereinigung entgegenzustreben, geboren aus gegenseitiger Zuneigung, welche in zwischenmenschliche Faszination und in unstillbares adäquates Verlangen zu münden beliebte, kurz gesagt. Doch bevor wir auf die Stätte unseres Verschmelzens niedergesunken waren, wurde die Schöne von einem leichten Zittern durchquert. An sich ein gutes Zeichen, indes paarte es sich diesmal mit einem ungesunden Erbleichen nebst schierer Angst im Blick der Frau.

Und sie hub an, mir circa 45 Praktiken aufzuzählen, von denen ich bitte, bitte tunlichst Abstand nehmen möge. Jetzt erbleichte ich, denn ich wusste gar nicht, dass es so was alles gibt. Mit Beischlaf im Sinne des gleichsam überirdischen Einswerdens zum Wohle und Glück des eigenen Befindens und besonders auch der ganzheitlichen Befriedigung des anderen Teilnehmers hatte das, was ich nicht machen oder nicht einfordern sollte, jedenfalls nicht ansatzweise zu tun. Im Gegenteil. Ich fragte sie, ob ihr die Wunderlichkeiten vielleicht in irgendeiner Versuchsanstalt zugestoßen seien respektive generell in einer Anstalt. Sie entgegnete, dass ich von Männern einfach keine Ahnung hätte.

Das stimmte in jenem Kontext, und mir dämmerte außerdem, wie doof und ungebildet ich in Sachen sexueller Anwendungen war. Und wie unbegabt. Denn ich konnte das alles gar nicht. Vor allem konnte ich es auch nicht glauben. In dieser unserer Zeit, wo es an jeder Ecke psychiatrische Betreuung gibt, funktionierende Toiletten oder für ganz harte Fälle Hochhäuser zum Springen!

Männer... Wie auch immer: Wir wollten am nächsten Morgen begeistert heiraten. Da fiel mir ein: Ich war ja bereits verheiratet, dies keineswegs zum ersten Mal und regelmäßig mit den absolut allerbesten, konkurrenzlosesten Frauen der ganzen Welt, wahrhaftig. Eine phantastischer als die andere. Wenn ich an meine hinreißenden Ehefrauen denke, samt und sonders generöse Geschenke des Himmels, könnte ich stets in unbändige Schwärmereien abdriften.

Da ist zum Beispiel... Nein, da ist zum Beispiel gar nichts mehr. Ich hasse diesen Beitrag. Hätte ich ihn bloß nicht angefangen. Aber ich kann ihn ja jederzeit beenden. Etwa, bevor ich wieder mal auf Facebook zu sprechen komme und insonderheit auf zutiefst geisteskranke Männer-Kommentare unter Fotos wunderbarer Frauen. Ferner, bevor ich auch nur ein einziges Wort darüber verliere, was ich seinerzeit unbemerkt auf einem Damenklo hören musste, in das ich mich geschlichen hatte, weil das der Herren aussah wie Sau. Ich möchte mich unter Hypnose begeben und das alles fachmännisch vergessen lassen.

Beim nächsten Mal schreibe ich der Einfachheit halber lieber über die Brans-Dicke-Theorie hinsichtlich der Skalar-Tensor-Gegebenheiten die Gravitation betreffend.

 
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